‚öď Kirby Anchor-Head¬≠ings

This is a¬†demo-page of my Anchor-Head¬≠ings Plugin for Kirby. The demo-text under¬≠neath is an excerpt from the Wikipedia arti¬≠cle about the ūüá©ūüá™ chan¬≠cel¬≠lor Angela Merkel.

1
Leben

1.1
Eltern¬≠haus und fr√ľhe Kind¬≠heit (1954‚ÄČ‚Äď‚ÄČ1960)

Angela Merkel wurde im Ham¬≠burger Stadt¬≠teil Barm¬≠bek-Nord als erstes Kind des evan¬≠ge¬≠lis¬≠chen The¬≠olo¬≠gen Horst Kasner (1926‚ÄČ‚Äď‚ÄČ2011) und seiner Frau Her¬≠lind Kasner, geb. Jentzsch (* 8. Juli 1928), geboren. Horst Kasner hatte ab 1948 an den Uni¬≠ver¬≠sit√§ten Hei¬≠del¬≠berg und Ham¬≠burg sowie an der Kirch¬≠lichen Hochschule Bethel in Biele¬≠feld The¬≠olo¬≠gie studiert. Seine Frau war Lehrerin f√ľr Latein und Englisch.

Noch 1954, einige Wochen nach der Geburt der Tochter, siedelte die Fam¬≠i¬≠lie von Ham¬≠burg in die DDR √ľber. F√ľr die Evan¬≠ge¬≠lis¬≠che Kirche in Berlin-Bran¬≠den¬≠burg trat Horst Kasner im Dorf Quit¬≠zow (heute ein Ort¬≠steil von Per¬≠leberg) eine Pfarrstelle an. Angela Merkel ist eben¬≠falls evan¬≠ge¬≠lisch.

1957 wech¬≠selte Kasner dauer¬≠haft nach Tem¬≠plin in der Uck¬≠er¬≠mark, um sich am Aufbau einer innerkirch¬≠lichen Weit¬≠er¬≠bil¬≠dungsstelle zu beteili¬≠gen. Dort wuchs Angela Merkel auf. Ihre Mutter war auf¬≠grund des Pfar¬≠rberufs des Vaters im Schul¬≠dienst der DDR unerw√ľnscht.[5] Am 7. Juli 1957 wurde Ange¬≠las Bruder Marcus, am 19. August 1964 ihre Schwester Irene geboren.

In Polen erregte 2013 die Ent¬≠deck¬≠ung ihrer pol¬≠nis¬≠chen Wurzeln Aufmerk¬≠samkeit: Ihr Gro√ü¬≠vater, der Polizeibeamte Ludwig Kasner (1896‚ąí1959), hatte als Ludwig Kazmier¬≠czak als Ange¬≠h√∂riger der pol¬≠nis¬≠chen Bev√∂lkerungs¬≠gruppe im Deutschen Kaiser¬≠re¬≠ich in Posen gelebt und war sp√§ter nach Berlin √ľbergesiedelt.[6]

1.2
Schulzeit (1961‚ÄČ‚Äď‚ÄČ1973)

1961 wurde Angela Kasner an der Poly­tech­nis­chen Ober­schule (POS) in Tem­plin eingeschult. Auf­fal­l­end waren ihre her­aus­ra­gen­den schulis­chen Leis­tun­gen, ins­beson­dere in Rus­sisch und Math­e­matik. Sie gewann Rus­sisch-Olympiaden bis hin zur DDR-Ebene.[7] Sie war Mit­glied der Freien Deutschen Jugend (FDJ).[8] 1973 legte sie an der Erweit­erten Ober­schule (EOS) in Tem­plin das Abitur mit der Abitur­durch­schnittsnote 1,0 ab. [9]

1.3
Studium in Leipzig (1973‚ÄČ‚Äď‚ÄČ1978)

Kasner hatte sich bere¬≠its w√§hrend ihrer Schulzeit f√ľr das Studium der Physik an der dama¬≠li¬≠gen Karl-Marx-Uni¬≠ver¬≠sit√§t entsch¬≠ieden und begann 1973 ihr Studium in Leipzig. Sie geh√∂rte nicht zu den opponieren¬≠den Kr√§ften inner¬≠halb der DDR, was ihre akademis¬≠che Lauf¬≠bahn verun¬≠m√∂glicht h√§tte, berichtet aber, in diesen Jahren den Autor Reiner Kunze getrof¬≠fen zu haben, den sie als ihren Lieblingss¬≠chrift¬≠steller beze¬≠ich¬≠net. 1977 heiratete sie den Physik¬≠stu¬≠den¬≠ten Ulrich Merkel; die Ehe wurde 1982 geschieden. [10][11]

Angela Merkels Diplo¬≠mar¬≠beit aus dem Juni 1978 mit dem Titel Der Ein¬≠flu√ü der r√§um¬≠lichen Kor¬≠re¬≠la¬≠tion auf die Reak¬≠tion¬≠s¬≠geschwindigkeit bei bimoleku¬≠laren Ele¬≠men¬≠tar¬≠reak¬≠tio¬≠nen in dichten Medien[12] wurde mit ‚Äč‚Äěsehr gut‚Äú bew¬≠ertet. Die Arbeit war zugle¬≠ich ein Beitrag zum Forschungs¬≠thema Sta¬≠tis¬≠tis¬≠che und Chemis¬≠che Physik von Sys¬≠te¬≠men der Iso¬≠topen- und Strahlen¬≠forschung im Bere¬≠ich sta¬≠tis¬≠tis¬≠che und physikalis¬≠che Chemie am Zen¬≠tralin¬≠sti¬≠tut f√ľr Iso¬≠topen- und Strahlen¬≠forschung der Akademie der Wis¬≠senschaften der DDR (AdW).[13]

1.4
Arbeit an der Akademie der Wis¬≠senschaften der DDR (1978‚ÄČ‚Äď‚ÄČ1989)

Nach¬≠dem 1978 eine Bewer¬≠bung an der Tech¬≠nis¬≠chen Hochschule Ilme¬≠nau gescheit¬≠ert war, ging Merkel mit ihrem Mann nach Ost-Berlin. Hier nahm sie eine Stelle am Zen¬≠tralin¬≠sti¬≠tut f√ľr physikalis¬≠che Chemie (ZIPC) der Akademie der Wis¬≠senschaften der DDR in Berlin-Adler¬≠shof an.[13] 1986 konnte sie f√ľr mehrere Tage in die Bun¬≠desre¬≠pub¬≠lik reisen. Auch nahm sie in Donezk an einem mehrw√∂chi¬≠gen rus¬≠sis¬≠chen Sprachkurs teil.[14]

Am Zen­tralin­sti­tut arbeit­eten rund 650 Per­so­nen, davon etwa 350 Wis­senschaftler. Merkel arbeit­ete in der Abteilung The­o­retis­che Chemie.

Am 8. Januar 1986 reichte sie ihre Dis¬≠ser¬≠ta¬≠tion Unter¬≠suchung des Mech¬≠a¬≠nis¬≠mus von Zer¬≠fall¬≠sreak¬≠tio¬≠nen mit ein¬≠fachem Bindungs¬≠bruch und Berech¬≠nung ihrer Geschwindigkeit¬≠skon¬≠stan¬≠ten auf der Grund¬≠lage quan¬≠ten¬≠chemis¬≠cher und sta¬≠tis¬≠tis¬≠cher Meth¬≠o¬≠den ein.[15] Die Arbeit wurde mit ‚Äč‚Äěsehr gut‚Äú (magna cum laude, siehe Pro¬≠mo¬≠tions¬≠be¬≠w¬≠er¬≠tun¬≠gen) bewertet.[16][17] Nach der dama¬≠li¬≠gen Pro¬≠mo¬≠tion¬≠sor¬≠d¬≠nung musste dem Antrag auf Pro¬≠mo¬≠tion der Nach¬≠weis beige¬≠f√ľgt werden, dass die w√§hrend des Studi¬≠ums erwor¬≠be¬≠nen Ken¬≠nt¬≠nisse des Marx¬≠is¬≠mus-Lenin¬≠is¬≠mus (‚ÄěML‚Äú) wesentlich ver¬≠tieft und erweit¬≠ert worden waren.[18] Merkel fer¬≠tigte zum Nach¬≠weis eine schriftliche Arbeit mit dem Titel ‚Äč‚ÄěWas ist sozial¬≠is¬≠tis¬≠che Lebensweise?‚Äú[19] an, die mit ‚Äč‚Äěgen√ľ¬≠gend‚Äú (rite) bew¬≠ertet wurde.[16][20] Dok¬≠tor¬≠vater war der Leiter der Abteilung The¬≠o¬≠retis¬≠che Chemie am ZIPC Lutz Z√ľlicke. Nach der Pro¬≠mo¬≠tion zum Doktor der Natur¬≠wis¬≠senschaften (Dr. rer. nat.) wech¬≠selte Merkel inner¬≠halb des Insti¬≠tuts in den Bere¬≠ich Ana¬≠lytis¬≠che Chemie, in dem Klaus Ulbricht ihr Abteilungsleiter wurde.

Merkel war weder Mit¬≠glied der SED noch einer der Block¬≠parteien. Sie war nicht in der zivilen oder der kirch¬≠lichen Oppo¬≠si¬≠tion aktiv. W√§hrend ihrer T√§tigkeit f√ľr die Akademie der Wis¬≠senschaften engagierte sie sich in ihrer FDJ-Gruppe. Nach eige¬≠nen Angaben war Merkel dort als Kul¬≠tur¬≠ref¬≠er¬≠entin t√§tig. Zeitzeu¬≠gen, die der Merkel-Biograf Gerd Langguth befragt hat, sprachen davon, sie sei f√ľr ‚Äč‚ÄěAgi¬≠ta¬≠tion und Pro¬≠pa¬≠ganda‚Äú zust√§ndig gewesen.[21]

1.5
Fam­i­lie

W√§hrend ihres Physik¬≠studi¬≠ums in Leipzig lernte Angela Kasner im Jahr 1974 bei einem Jugen¬≠daus¬≠tausch mit Physik¬≠stu¬≠den¬≠ten in Moskau und Leningrad ihren ersten Ehe¬≠mann, den aus Cos¬≠sen¬≠gr√ľn stam¬≠menden Physik¬≠stu¬≠den¬≠ten Ulrich Merkel, kennen.[22] Am 3. Sep¬≠tem¬≠ber 1977 wurden die beiden in Tem¬≠plin kirch¬≠lich getraut. 1981 tren¬≠nte sich das Paar und die kinder¬≠lose Ehe wurde 1982¬†in Ost-Berlin geschieden.

Im Jahr 1984[23] lernte Merkel an der Akademie der Wis­senschaften der DDR in Berlin-Adler­shof den Quan­ten­chemiker Joachim Sauer kennen, den sie am 30. Dezem­ber 1998 heiratete. Das Ehep­aar wohnte vorher in der Luisen­straße, in unmit­tel­barer Sichtweite zum Reich­stag. Aus der Ehe gingen keine gemein­samen Kinder hervor, Sauer brachte aber zwei Söhne aus erster Ehe mit in die Part­ner­schaft. Noch vor Merkels Kan­zler­schaft zog die Fam­i­lie in eine Woh­nung Am Kupfer­graben in der Nähe der Hum­boldt-Uni­ver­sität, in der sie bis heute lebt.

1.6
Freizeit

Seit 1985 besitzen Angela Merkel und Joachim Sauer ein Woch­enend­haus in Hohen­wald, einem Ort­steil von Milmers­dorf in der Uckermark.[24]

Ihren Urlaub ver¬≠bringt sie mit ihrem Mann seit Jahren an den gle¬≠ichen Orten: zu Ostern auf der Insel Ischia im Golf von Neapel[25], im Sommer zum Wan¬≠dern in Sulden im Vinschgau/S√ľdtirol[26] und im Winter zum Ski¬≠langlauf in Pon¬≠tresina im Schweizer Engadin[27].

Angela Merkel und ihr Mann sind Opern­lieb­haber und besuchen regelmäßig Pre­mieren­vorstel­lun­gen der Bayreuther Wagner-Festspiele.[28]

2
Poli­tis­che Lauf­bahn

2.1
Demokratis¬≠cher Auf¬≠bruch (1989‚ÄČ‚Äď‚ÄČ1990)

W√§hrend der Wende in der DDR im Herbst 1989 zeich¬≠nete sich ab, dass im Osten Deutsch¬≠lands neue, demokratis¬≠che Parteistruk¬≠turen entste¬≠hen w√ľrden. Die Macht der SED √ľber den Staat br√∂ck¬≠elte; am 4. Novem¬≠ber 1989 fand die Alexan¬≠der¬≠platz-Demon¬≠stra¬≠tion ‚Äč‚Äěgegen Gewalt und f√ľr ver¬≠fas¬≠sungsm√§√üige Rechte, Presse-, Mei¬≠n¬≠ungs- und Ver¬≠samm¬≠lungs¬≠frei¬≠heit‚Äú statt. Etwa einen Monat sp√§ter begann Merkel beim neu gegr√ľn¬≠de¬≠ten Demokratis¬≠chen Auf¬≠bruch (DA) zu arbeiten, zun√§chst im Dezem¬≠ber 1989 unent¬≠geltlich als pro¬≠vi¬≠sorische Sys¬≠temad¬≠min¬≠is¬≠tra¬≠torin, ab Feb¬≠ruar 1990 dann haupt¬≠beru¬≠flich als Sach¬≠bear¬≠bei¬≠t¬≠erin in der per¬≠s√∂n¬≠lichen Arbeit¬≠sumge¬≠bung des Vor¬≠sitzen¬≠den Wolf¬≠gang Schnur in der Ost-Berliner Gesch√§ftsstelle. Sp√§ter fol¬≠gten der Entwurf von Flug¬≠bl√§t¬≠tern, die Ernen¬≠nung zur Press¬≠esprecherin durch ihren Entdecker[29] Schnur und die Mit¬≠glied¬≠schaft im Vor¬≠stand des¬†DA.

Der Demokratis¬≠che Auf¬≠bruch schwankte zun√§chst noch stark in den poli¬≠tis¬≠chen Per¬≠spek¬≠tiven und galt eine Zeit¬≠lang wie die anderen Vere¬≠ini¬≠gun¬≠gen der B√ľrg¬≠er¬≠be¬≠we¬≠gung (Neues Forum, Demokratie Jetzt) prinzip¬≠iell als links. Bald brach sich aber eine Hal¬≠tung Bahn, die den Sozial¬≠is¬≠mus grund¬≠s√§t¬≠zlich ablehnte. Dies ver¬≠st√§rkte sich, als Anfang 1990 kon¬≠ser¬≠v¬≠a¬≠tive west¬≠deutsche Poli¬≠tiker auf die erste demokratis¬≠che Volk¬≠skam¬≠mer¬≠wahl am 18. M√§rz 1990 hinar¬≠beit¬≠eten und Volker R√ľhe als Gen¬≠er¬≠alsekret√§r der west¬≠deutschen CDU am 5. Feb¬≠ruar 1990 das Wahlb√ľnd¬≠nis Allianz f√ľr Deutsch¬≠land begr√ľn¬≠dete. Der DA nahm darin als neu gegr√ľn¬≠dete B√ľrg¬≠er¬≠be¬≠we¬≠gung eine Schl√ľs¬≠sel¬≠stel¬≠lung ein: Helmut Kohl, der dama¬≠lige Bun¬≠deskan¬≠zler und CDU-Vor¬≠sitzende, wollte nicht allein auf die Ost-CDU (die als Block¬≠partei vor¬≠be¬≠lastet war) oder die der CSU nah¬≠este¬≠hende Deutsche Soziale Union (DSU) setzen.

Das Anse¬≠hen des DA wurde erhe¬≠blich gesch√§digt, als wenige Tage vor der Volk¬≠skam¬≠mer-Wahl bekannt wurde, dass Schnur von 1965 bis 1989 f√ľr das Min¬≠is¬≠terium f√ľr Staatssicher¬≠heit (MfS) t√§tig gewe¬≠sen war. Merkel leit¬≠ete die Pressekon¬≠ferenz, auf der der DA-Vor¬≠stand seine Betrof¬≠fen¬≠heit dar√ľber √§u√üerte.

2.2
Allianz f√ľr Deutsch¬≠land (1990)

Die erste freie Volk¬≠skam¬≠mer¬≠wahl am 18. M√§rz 1990 endete f√ľr Merkels Demokratis¬≠chen Auf¬≠bruch (DA) mit einem 0,9-Prozent-Desaster. Dank der uner¬≠warteten 41 Prozent f√ľr den B√ľnd¬≠nis¬≠part¬≠ner Ost-CDU wurde die gemein¬≠same Allianz f√ľr Deutsch¬≠land jedoch fak¬≠tis¬≠cher Wahlsieger. Unter dem CDU-Spitzenkan¬≠di¬≠daten Lothar de Maiz¬≠i√®re ent¬≠stand inner¬≠halb der fol¬≠gen¬≠den Wochen eine Koali¬≠tion, beste¬≠hend aus der Allianz, den Sozialdemokraten und den Lib¬≠eralen. Am 12. April w√§hlten die Volk¬≠skam¬≠mer¬≠ab¬≠ge¬≠ord¬≠neten dieser Koali¬≠tion¬≠spart¬≠ner Lothar de Maiz¬≠i√®re zum neuen Min¬≠is¬≠ter¬≠pr√§si¬≠den¬≠ten der DDR. In der Regierung de Maiz¬≠i√®res erhielt Rainer Eppel¬≠mann mit dem Ressort Abr√ľs¬≠tung und Vertei¬≠di¬≠gung f√ľr den DA ein Min¬≠is¬≠ter¬≠amt. Im Ein¬≠klang mit der Koali¬≠tion¬≠sarith¬≠metik, die bei der Verteilung weit¬≠erer Posten zu beachten war, wurde Merkel in der ersten und gle¬≠ichzeitig let¬≠zten frei gew√§hlten Regierung der DDR stel¬≠lvertre¬≠tende Regierungssprecherin.

In den Wochen nach der Volk¬≠skam¬≠mer¬≠wahl r√ľckte √ľber¬≠raschend schnell die Frage der Deutschen Wiedervere¬≠ini¬≠gung in den poli¬≠tis¬≠chen Mit¬≠telpunkt. Merkel begleit¬≠ete viele vor¬≠bere¬≠i¬≠t¬≠ende Gespr√§che, z. B. diejeni¬≠gen zum Staatsver¬≠trag √ľber die Schaf¬≠fung einer W√§hrungs-, Wirtschafts- und Sozialu¬≠nion, der am 18. Mai 1990¬†in Bonn unterze¬≠ich¬≠net wurde. Ma√üge¬≠blicher Ver¬≠hand¬≠lungsleiter auf Seite der DDR war der par¬≠la¬≠men¬≠tarische Staatssekret√§r beim Min¬≠is¬≠ter¬≠pr√§si¬≠den¬≠ten der DDR, G√ľn¬≠ther Krause, der in den n√§ch¬≠sten Monaten ein wichtiger F√∂rderer von Merkel wurde. Am 31. August 1990 wurde schlie√ülich in Bonn von Krause und dem Innen¬≠min¬≠is¬≠ter der Bun¬≠desre¬≠pub¬≠lik, Wolf¬≠gang Sch√§u¬≠ble, der Eini¬≠gungsver¬≠trag unter¬≠schrieben. Merkel begleit¬≠ete Del¬≠e¬≠ga¬≠tio¬≠nen um Lothar de Maiz¬≠i√®re auf Aus¬≠land¬≠sreisen und war auch beim Abschluss des Zwei-plus-Vier-Ver¬≠trages am 12. Sep¬≠tem¬≠ber 1990¬†in Moskau anwe¬≠send.

2.3
Beitritt zur CDU (1990)

Merkel mit dem let­zten Min­is­ter­präsi­den­ten der DDR, Lothar de Maiz­ière, im August 1990
Das schlechte Abschnei¬≠den des Demokratis¬≠chen Auf¬≠bruchs bei der Volk¬≠skam¬≠mer¬≠wahl und die Entwick¬≠lung der n√§ch¬≠sten Monate n√∂tigten zu einer Anlehnung des DA an die CDU, die von Merkel mit¬≠ge¬≠tra¬≠gen wurde. Am 4. August 1990 stimmte auf einem Son¬≠der¬≠parteitag des DA eine Mehrheit f√ľr einen Beitritt zur west¬≠deutschen CDU nach vorherge¬≠hen¬≠der Fusion mit der Ost-CDU. Merkel war eine von drei Delegierten, die der DA zum Vere¬≠ini¬≠gungsparteitag der CDU in Ham¬≠burg am 1. und 2. Okto¬≠ber 1990 schickte. In einer Rede stellte sie sich dort als ehe¬≠ma¬≠lige ‚Äč‚ÄěPress¬≠esprecherin des Demokratis¬≠chen Auf¬≠bruchs‚Äú und als Mitar¬≠bei¬≠t¬≠erin de Maiz¬≠i√®res vor. Am Vor¬≠abend dieses 38. CDU-Bun¬≠desparteitages kam es zu einem ersten von Merkel ini¬≠ti¬≠ierten per¬≠s√∂n¬≠lichen Gespr√§ch mit¬†Kohl.

Nach der Wiedervere¬≠ini¬≠gung am 3. Okto¬≠ber 1990 erhielt Merkel die Planstelle einer Min¬≠is¬≠te¬≠ri¬≠al¬≠r√§tin (A 16) im Bun¬≠de¬≠spresse- und Infor¬≠ma¬≠tion¬≠samt (BPA). Eine R√ľck¬≠kehr an das Insti¬≠tut, an dem sie zw√∂lf Jahre gear¬≠beitet hatte, war nicht oppor¬≠tun, da im Eini¬≠gungsver¬≠trag die Abwick¬≠lung der Akademie der Wis¬≠senschaften fest¬≠geschrieben worden war. So wurden ihr Forschungsin¬≠sti¬≠tut und alle anderen grundle¬≠gend umstruk¬≠turi¬≠ert, neu eingegliedert oder teil¬≠weise aufgel√∂st, nur die Gelehrtenge¬≠sellschaft wurde als Leib¬≠niz-Sozi¬≠et√§t der Wis¬≠senschaften zu Berlin fort¬≠ge¬≠f√ľhrt, neu gegr√ľn¬≠det wurde 1992/1993 die Berlin-Bran¬≠den¬≠bur¬≠gis¬≠che Akademie der Wis¬≠senschaften. Merkel bewarb sich daher mit der gesicherten beru¬≠flichen Posi¬≠tion im BPA im R√ľcken um ein Bun¬≠destags¬≠man¬≠dat. Durch die Ver¬≠mit¬≠tlung von G√ľn¬≠ther Krause, der in Meck¬≠len¬≠burg-Vor¬≠pom¬≠mern CDU-Lan¬≠desvor¬≠sitzen¬≠der war, trat sie im Bun¬≠destagswahlkreis Stral¬≠sund ‚Äď R√ľgen ‚Äď Grim¬≠men als Direk¬≠tkan¬≠di¬≠datin an. Ihre Nominierung erfol¬≠gte in der Kaserne Prora auf R√ľgen.[30] Gle¬≠ichzeitig wurde sie auf Platz 6¬†der Lan¬≠desliste als Lis¬≠tenkan¬≠di¬≠datin gesetzt.

2.4
Bun¬≠desmin¬≠is¬≠terin f√ľr Frauen und Jugend (1991‚ÄČ‚Äď‚ÄČ1994)

Im April 1991 (links, mit Han¬≠nelore R√∂nsch) beim Staat¬≠sakt f√ľr Detlev Rohwed¬≠der
Bei der ersten gesamt­deutschen Bun­destagswahl am 2. Dezem­ber 1990 gewann Merkel ihren neuen Wahlkreis mit 48,5 Prozent der abgegebe­nen Erst­stim­men. Mit der kon­sti­tu­ieren­den Sitzung am 20. Dezem­ber 1990 wurde sie Abge­ord­nete des Deutschen Bun­destages.

Der Wahlsieger Kohl, der sie im Novem¬≠ber 1990 nochmals zu einem Gespr√§ch ins Kan¬≠zler¬≠amt nach Bonn ein¬≠ge¬≠laden hatte, nominierte sie √ľber¬≠raschend f√ľr ein Min¬≠is¬≠ter¬≠amt in seinem Kabi¬≠nett. Das alte Bun¬≠desmin¬≠is¬≠terium f√ľr Jugend, Fam¬≠i¬≠lie, Frauen und Gesund¬≠heit wurde dreigeteilt in das Bun¬≠desmin¬≠is¬≠terium f√ľr Gesund¬≠heit (Gerda Has¬≠selfeldt), das Bun¬≠desmin¬≠is¬≠terium f√ľr Fam¬≠i¬≠lie und Senioren (Han¬≠nelore R√∂nsch) und das Bun¬≠desmin¬≠is¬≠terium f√ľr Frauen und Jugend (Angela Merkel). Merkel erhielt ein kleines Rest¬≠min¬≠is¬≠terium mit wenig Kom¬≠pe¬≠ten¬≠zen. Sie wurde am 18. Januar 1991 als Min¬≠is¬≠terin verei¬≠digt. Als par¬≠la¬≠men¬≠tarischen Staatssekret√§r w√§hlte sie Peter Hintze. Als beamteter Staatssekret√§r folgte sp√§ter noch Willi Haus¬≠mann.

Merkel war auf¬≠grund ihrer Ver¬≠gan¬≠gen¬≠heit als B√ľrg¬≠erin der DDR wenig ver¬≠traut mit den Gebr√§uchen in der Union. Ihr schneller Quere¬≠in¬≠stieg gr√ľn¬≠dete sich auss¬≠chlie√ülich auf die Gunst des Bun¬≠deskan¬≠zlers (‚ÄěKohls M√§d¬≠chen‚Äú), w√§hrend ihre sp√§teren Konkur¬≠renten in Kar¬≠rierenet¬≠zw¬≠erken wie dem Anden¬≠pakt zusam¬≠mengeschlossen waren, gegen die sie zun√§chst keine eigene Haus¬≠macht gel¬≠tend machen konnte. Daher bem√ľhte sie sich im Novem¬≠ber 1991 um den CDU-Lan¬≠desvor¬≠sitz in Bran¬≠den¬≠burg, musste jedoch eine Abstim¬≠mungsnieder¬≠lage gegen Ulf Fink hin¬≠nehmen. Im Dezem¬≠ber 1991 wurde sie auf dem CDU-Bun¬≠desparteitag in Dres¬≠den zur stel¬≠lvertre¬≠tenden Bun¬≠desvor¬≠sitzen¬≠den und damit in das Amt gew√§hlt, das vor ihr Lothar de Maiz¬≠i√®re innege¬≠habt hatte. Von 1992 bis 1993 sa√ü sie dar√ľber hinaus dem Evan¬≠ge¬≠lis¬≠chen Arbeit¬≠skreis (EAK) der Union¬≠sparteien vor. Nach dem poli¬≠tis¬≠chen R√ľck¬≠zug de Maiz¬≠i√®res und nach¬≠dem G√ľn¬≠ther Krause als Bun¬≠desverkehrsmin¬≠is¬≠ter durch umstrit¬≠tene Ver¬≠gaben von Lizen¬≠zen f√ľr Auto¬≠bah¬≠n¬≠rast¬≠st√§t¬≠ten in die Medien gekom¬≠men war, besa√ü sie eine der weni¬≠gen unbe¬≠lasteten Ost¬≠bi¬≠ografien inner¬≠halb der CDU. Im Juni 1993 nahm sie die Chance wahr, ihre Macht in der Partei auszubauen, indem sie Krause nach seinem poli¬≠tis¬≠chen R√ľck¬≠zug als CDU-Lan¬≠desvor¬≠sitzende von Meck¬≠len¬≠burg-Vor¬≠pom¬≠mern nach¬≠fol¬≠gte.

2.5
Bun¬≠desumwelt¬≠min¬≠is¬≠terin (1994‚ÄČ‚Äď‚ÄČ1998)

Umwelt­min­is­terin Angela Merkel im Juni 1995 am Stre­se­man­nufer in Bonn
Merkel erre¬≠ichte bei der Bun¬≠destagswahl am 16. Okto¬≠ber 1994¬†in ihrem Wahlkreis 48,6 Prozent der Erst¬≠stim¬≠men und wurde im Kabi¬≠nett Kohl √ľber¬≠raschend Bun¬≠desmin¬≠is¬≠terin f√ľr Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit.[31]

Ihr Amtsvorg√§nger war der auch au√üer¬≠halb der Union anerkan¬≠nte Klaus T√∂pfer. Dessen umwelt¬≠poli¬≠tis¬≠che Posi¬≠tio¬≠nen und Forderun¬≠gen stie√üen jedoch inner¬≠halb des Wirtschafts¬≠fl√ľgels der CDU und ins¬≠beson¬≠dere beim Koali¬≠tion¬≠spart¬≠ner FDP auf zunehmenden Wider¬≠stand. Die Verei¬≠di¬≠gung Merkels am 17. Novem¬≠ber 1994 und der Wech¬≠sel T√∂pfers an die Spitze des Bun¬≠desmin¬≠is¬≠teri¬≠ums f√ľr Rau¬≠mord¬≠nung, Bauwe¬≠sen und St√§dte¬≠bau k√∂nnen parteipoli¬≠tisch als T√∂pfers Ent¬≠mach¬≠tung betra¬≠chtet werden. Merkel entlie√ü drei Monate nach Amt¬≠santritt T√∂pfers langj√§hri¬≠gen beamteten Staatssekret√§r Clemens Stroet¬≠mann und erset¬≠zte ihn durch Erhard Jauck.

2.6
CDU-Gen¬≠er¬≠alsekret√§rin (1998‚ÄČ‚Äď‚ÄČ2000)

Die Bun¬≠destagswahl am 27. Sep¬≠tem¬≠ber 1998 endete f√ľr die Union und ihren Kan¬≠zlerkan¬≠di¬≠daten Kohl mit einem Debakel. CDU und CSU erziel¬≠ten mit 35,2 Prozent das schlecht¬≠este Ergeb¬≠nis seit 1949 ‚Äď erst¬≠mals wurde eine amtierende Bun¬≠desregierung abgew√§hlt. Merkels Erst¬≠stim¬≠menan¬≠teil sank um 11 Prozent¬≠punkte auf 37,3 Prozent.

Wolf¬≠gang Sch√§u¬≠ble, Kohls ‚Äč‚Äěewiger Kro¬≠n¬≠prinz‚Äú, hatte seit 1996‚ĀĄ97 immer wieder die Frage aufge¬≠wor¬≠fen, welcher CDU-Spitzen¬≠poli¬≠tiker als Kan¬≠zlerkan¬≠di¬≠dat zur Bun¬≠destagswahl antreten solle. Bere¬≠its vor der Wahl des Kan¬≠di¬≠daten hatte er in Inter¬≠views Kritik daran erken¬≠nen lassen, dass Kohl erneut antrat. Er hatte sich gegen Kohl, den ‚Äč‚Äěewigen Kan¬≠zler‚Äú, aber nicht durch¬≠set¬≠zen k√∂nnen. Auf dem CDU-Bun¬≠desparteitag in Bonn am 7. Novem¬≠ber 1998 wurde Sch√§u¬≠ble jetzt zum neuen Bun¬≠desvor¬≠sitzen¬≠den gew√§hlt. Auf seinen Vorschlag wurde Merkel Gen¬≠er¬≠alsekret√§rin der CDU und erhielt damit eine der weni¬≠gen Posi¬≠tio¬≠nen mit Gestal¬≠tungs¬≠macht, die der langj√§hri¬≠gen Regierungspartei CDU in der Oppo¬≠si¬≠tion geblieben waren. Kohl wurde Ehren¬≠vor¬≠sitzen¬≠der der CDU mit Sitz in deren Pr√§¬≠sid¬≠ium und Bun¬≠desvor¬≠stand.

Die CDU schaffte in den fol¬≠gen¬≠den Monaten bei Land¬≠tagswahlen einige gute Ergeb¬≠nisse und im Juni 1999 bei der Europawahl zusam¬≠men mit der CSU √ľber¬≠ra¬≠gende 48,7 Prozent (1994: 38,8 Prozent). Hatte sich schon in der √Ąra Kohl die Ten¬≠denz gezeigt, dass die deutschen W√§hler die auf Bun¬≠de¬≠sebene in der Oppo¬≠si¬≠tion befind¬≠lichen Parteien bei anderen Wahlen st√§rk¬≠ten, wurde jetzt die neue Oppo¬≠si¬≠tion¬≠spartei CDU gest√ľtzt und damit auch deren Gen¬≠er¬≠alsekret√§rin Merkel.

Im Novem­ber 1999 wurde die CDU-Spende­naf­färe öffentlich. Der CDU-Ehren­vor­sitzende Helmut Kohl gab in einem ZDF-Inter­view am 16. Dezem­ber 1999 bekannt, dass er während seiner Zeit als Bun­deskan­zler unter Bruch des Parteis­pendenge­set­zes Mil­lio­nen­be­träge ent­ge­gengenom­men hatte. Kohl weigerte sich, den oder die Geldge­ber zu nennen, da er ihnen sein Ehren­wort gegeben habe. Merkel veröf­fentlichte am 22. Dezem­ber 1999 einen Gastbeitrag[32] in der Frank­furter All­ge­meinen Zeitung, in dem sie Kohls Hal­tung kri­tisierte und die Partei zur Abn­abelung auf­forderte:

‚ÄěDie Partei muss also laufen lernen, muss sich zutrauen, in Zukunft auch ohne ihr altes Schlachtross, wie Helmut Kohl sich oft selbst gerne genannt hat, den Kampf mit dem poli¬≠tis¬≠chen Gegner aufzunehmen. Sie muss sich wie jemand in der Pubert√§t von zu Hause l√∂sen, eigene Wege¬†gehen.‚Äú

Diese offene Kritik an Kohl, die bis dahin von der Parteif√ľhrung unge¬≠h√∂rt war, war nicht mit dem Parteivor¬≠sitzen¬≠den Sch√§u¬≠ble abge¬≠sprochen, der Merkel daraufhin ‚Äč‚Äěeigentlich ent¬≠lassen‚Äú wollte; unter Funk¬≠tion√§ren wurde sie als ‚Äč‚ÄěVater¬≠m√∂rderin‚Äú und ‚Äč‚ÄěNest¬≠beschmutzerin‚Äú beze¬≠ich¬≠net, erhielt aber auch viel Zus¬≠pruch f√ľr ihren riskan¬≠ten Schritt, unter anderem von Chris¬≠t¬≠ian Wulff. Da Sch√§u¬≠ble ihr in der Sache Recht gab und Merkel, als unbe¬≠lastet gel¬≠tend, einen Neuan¬≠fang glaub¬≠w√ľrdig vertreten konnte, belie√ü er sie im Amt.[33]

2.7
CDU-Vor­sitzende (seit 2000)

Angela Merkel als Parteivor­sitzende auf dem 28. Parteitag der CDU Deutsch­lands am 14. Dezem­ber 2015 in Karl­sruhe
Am 16. Feb¬≠ruar 2000 erk¬≠l√§rte Sch√§u¬≠ble vor der CDU/‚ÄčCSU-‚ÄčBundestagsfraktion seinen R√ľck¬≠tritt als Partei- und Frak¬≠tionsvor¬≠sitzen¬≠der. In den darauf fol¬≠gen¬≠den Wochen war die Partei f√ľhrungs¬≠los, Angela Merkel befand sich als Gen¬≠er¬≠alsekret√§rin in einer Schl√ľs¬≠sel¬≠po¬≠si¬≠tion. In dieser Zeit fanden neun soge¬≠nan¬≠nte ‚Äč‚ÄěRegion¬≠alkon¬≠feren¬≠zen‚Äú statt. Sie waren urspr√ľnglich ange¬≠setzt worden, um die CDU-Spende¬≠naf¬≠f√§re mit der Parteiba¬≠sis zu disku¬≠tieren und aufzuar¬≠beiten. Auf diesen lokalen Parteiver¬≠samm¬≠lun¬≠gen formierte sich Unter¬≠st√ľtzung f√ľr Merkel als Sch√§u¬≠ble-Nach¬≠fol¬≠gerin. Ihr sp√§ter Quere¬≠in¬≠stieg kam ihr nun zugute: Sie galt in der √Ėffentlichkeit und bei der Basis als in der Parteis¬≠pende¬≠nan¬≠gele¬≠gen¬≠heit unbe¬≠lastet. Fr√ľhzeitig sprach sich der nieder¬≠s√§ch¬≠sis¬≠che Oppo¬≠si¬≠tions¬≠f√ľhrer Chris¬≠t¬≠ian Wulff f√ľr Merkel aus. Volker R√ľhe, Friedrich Merz und Edmund Stoiber dage¬≠gen sollen ihrer Kan¬≠di¬≠datur kri¬≠tisch gegen√ľberge¬≠s¬≠tanden haben.[34]

Am 10. April 2000 wurde Angela Merkel auf dem CDU-Bun¬≠desparteitag in Essen mit 897 von 935¬†g√ľlti¬≠gen Stim¬≠men zur neuen CDU-Bun¬≠desvor¬≠sitzen¬≠den gew√§hlt. Neuer CDU-Gen¬≠er¬≠alsekret√§r wurde, auf Merkels Vorschlag, Ruprecht Polenz. Den Vor¬≠sitz der CDU/‚ÄčCSU-‚ÄčBundestagsfraktion √ľber¬≠nahm Friedrich Merz. Das neue F√ľhrungstrio erlebte am 14. Juli eine erste herbe poli¬≠tis¬≠che Nieder¬≠lage: Obwohl die rot-gr√ľne Bun¬≠desregierung nicht √ľber die notwendige Mehrheit im Bun¬≠desrat ver¬≠f√ľgte, war es ihr gelun¬≠gen, in der Abstim¬≠mung √ľber die geplante Steuer¬≠reform einige Bun¬≠desl√§n¬≠der mit CDU-Regierungs¬≠beteili¬≠gung auf ihre Seite zu ziehen. Bere¬≠its im Novem¬≠ber 2000 tren¬≠nte sich Angela Merkel von dem in den Medien als mod¬≠erat beurteil¬≠ten Gen¬≠er¬≠alsekret√§r Ruprecht Polenz. Als seinen Nach¬≠fol¬≠ger w√§hlte sie den aggres¬≠siver auftre¬≠tenden Lau¬≠renz Meyer, der wie Polenz Bun¬≠destagsab¬≠ge¬≠ord¬≠neter aus Nor¬≠drhein-West¬≠falen¬†war.

Die Jahre 2000 und 2001 bescherten der CDU unter Merkel ‚Äď auch als Folge der Spende¬≠naf¬≠f√§re ‚Äď keine gro√üen Land¬≠tagswahler¬≠folge. Die rot-gr√ľne Bun¬≠desregierung schien dage¬≠gen Tritt gefasst zu haben. Die Posi¬≠tion¬≠ierung f√ľr die Bun¬≠destagswahl im Sep¬≠tem¬≠ber 2002 begann: Friedrich Merz hatte sich selbst bere¬≠its im Feb¬≠ruar 2001 als Kan¬≠di¬≠dat f√ľr das Amt des Bun¬≠deskan¬≠zlers ins Gespr√§ch gebracht. Damit war die Diskus¬≠sion um die Kan¬≠di¬≠daten¬≠frage ‚Äď in den Medien h√§ufig als ‚Äč‚ÄěK-Frage‚Äú beze¬≠ich¬≠net ‚Äď ein¬≠gel√§utet. Angela Merkels Bere¬≠itschaft zur Kan¬≠di¬≠datur war bekannt. Sie ver¬≠f√ľgte in den Spitzen der Partei jedoch √ľber wenig R√ľck¬≠halt, da viele CDU-Min¬≠is¬≠ter¬≠pr√§si¬≠den¬≠ten und Lan¬≠desvor¬≠sitzende den bay¬≠erischen Min¬≠is¬≠ter¬≠pr√§si¬≠den¬≠ten und CSU-Vor¬≠sitzen¬≠den Edmund Stoiber favorisierten. Im Dezem¬≠ber 2001 war auf dem Bun¬≠desparteitag in Dres¬≠den eine Entschei¬≠dung ver¬≠mieden worden, diese sollte am 11. Januar 2002 auf einer Sitzung von CDU-Pr√§¬≠sid¬≠ium und Bun¬≠desvor¬≠stand in Magde¬≠burg fallen. Merkel ging der unmit¬≠tel¬≠baren Kon¬≠fronta¬≠tion mit Stoiber jedoch aus dem Weg: Im Vor¬≠feld hatte sie ihn zum ‚Äč‚ÄěWol¬≠frat¬≠shauser Fr√ľh¬≠st√ľck‚Äú zu Hause besucht, bei dem sie ihm ihren Verzicht zu seinen Gun¬≠sten mit¬≠teilte. Angela Merkels R√ľck¬≠zug diente dabei auch dem eige¬≠nen Machter¬≠halt, eine deut¬≠liche Abstim¬≠mungsnieder¬≠lage gegen Stoiber h√§tte als Mis¬≠strauensvo¬≠tum gegen ihre Person aufge¬≠fasst werden und eine Diskus¬≠sion um den Parteivor¬≠sitz aufkom¬≠men lassen k√∂nnen.

[…]

3
Poli­tis­che Posi­tio­nen

Angela Merkel und der Präsi­dent der Europäis­chen Kom­mis­sion José Manuel Durão Bar­roso vor dem Bran­den­burger Tor, 25. März 2007

3.1
Außen­poli­tik

Siehe auch: Liste der Aus­land­sreisen von Bun­deskan­z­lerin Angela Merkel

Angela Merkel mit US-Präsi­dent Barack Obama, dessen Frau sowie Joachim Sauer beim Staat­semp­fang in Baden-Baden, 3. April 2009
Zukunft der Europäis­chen Union[Bearbeiten]
W√§hrend eines EU-Gipfels in Br√ľs¬≠sel am 7. Novem¬≠ber 2012 warb Bun¬≠deskan¬≠z¬≠lerin Angela Merkel f√ľr die Vere¬≠inigten Staaten von Europa: ‚Äč‚ÄěIch bin daf√ľr, dass die Kom¬≠mis¬≠sion eines Tages so etwas wie eine europ√§is¬≠che Regierung ist‚Äú.[97] 2005 √§u√üerte Merkel ‚Äď unter anderem bei einem Besuch in Istan¬≠bul ‚Äď, sie favorisiere eine ‚Äč‚Äěpriv¬≠i¬≠legierte Part¬≠ner¬≠schaft‚Äú der T√ľrkei statt einer Vollmit¬≠glied¬≠schaft in der¬†EU.

Mil­itärische Kon­flik­tlö­sung

Im Vor¬≠feld des Irakkriegs bekun¬≠dete Angela Merkel ihre Sym¬≠pa¬≠thien f√ľr die Irakpoli¬≠tik der USA und die ‚Äč‚ÄěKoali¬≠tion der Willi¬≠gen‚Äú. Sie kri¬≠tisierte als deutsche Oppo¬≠si¬≠tions¬≠f√ľhrerin vom Boden der USA aus die Au√üen¬≠poli¬≠tik der Bun¬≠desregierung, was ihr schar¬≠fen Wider¬≠spruch aus Berlin ein¬≠brachte. Der SPD-Frak¬≠tionsvor¬≠sitzende Franz M√ľn¬≠te¬≠fer¬≠ing beurteilte Merkels √Ąu√üerung als ‚Äč‚ÄěB√ľck¬≠ling gegen√ľber der US-Admin¬≠is¬≠tra¬≠tion‚Äú.

In einer Rede im Deutschen Bun¬≠destag am 19. M√§rz 2003 erk¬≠l√§rte Merkel die Unter¬≠st√ľtzung der Union f√ľr das Ulti¬≠ma¬≠tum an Saddam Hus¬≠sein als ‚Äč‚Äěletzte Chance des Friedens‚Äú und forderte die Bun¬≠desregierung auf, dies ebenso zu tun, um ‚Äč‚Äěden Krieg im Irak wirk¬≠lich zu ver¬≠hin¬≠dern‚Äú.

Angela Merkels Grund¬≠hal¬≠tung zu mil¬≠it√§rischen Kon¬≠flik¬≠tl√∂¬≠sun¬≠gen beschreibt sie in Ver√∂f¬≠fentlichun¬≠gen aus dieser Zeit. Als ‚Äč‚ÄěUltima Ratio‚Äú akzep¬≠tierte Merkel beispiel¬≠sweise das NATO-Engage¬≠ment im Koso¬≠vokrieg (1999) und stellt his¬≠torische Ver¬≠gle¬≠iche zur deutschen Geschichte an:

‚ÄěEin Blick zur√ľck in unsere eigene Geschichte mahnt dazu, den Frieden als wertvolles Gut zu erhal¬≠ten und alles zu tun, um kriegerische Auseinan¬≠der¬≠set¬≠zun¬≠gen zu ver¬≠mei¬≠den. [‚Ķ] Ein Blick in die gle¬≠iche Geschichte mahnt aber auch, dass ein falsch ver¬≠standener, radikaler Paz¬≠i¬≠fis¬≠mus ins Ver¬≠h√§ng¬≠nis f√ľhren kann und der Ein¬≠satz von Gewalt ‚Äď trotz des damit ein¬≠herge¬≠hen¬≠den Leides ‚Äď in let¬≠zter Kon¬≠se¬≠quenz unauswe¬≠ich¬≠lich sein kann, um noch gr√∂√üeres √úbel zu ver¬≠hin¬≠dern. Auch die j√ľn¬≠gere europ√§is¬≠che Geschichte zeigt, dass Krieg im Umgang mit Dik¬≠ta¬≠toren zur ‚Äč‚Äöultima ratio‚Äė werden kann. [‚Ķ] Beim Kosovo-Krieg hat eine ‚Äč‚Äöcoali¬≠tion of the will¬≠ing‚Äė durch den Ein¬≠satz von Gewalt noch gr√∂√üeres Leid [‚Ķ] ver¬≠hin¬≠dert.‚Äú

Bez√ľglich des Abzugs der Atom¬≠waf¬≠fen in Deutsch¬≠land besteht Merkel darauf, dass die Ver¬≠hand¬≠lun¬≠gen √ľber den Abzug der Raketen gemein¬≠sam mit den anderen Nato-L√§n¬≠dern und keines¬≠falls im Allein¬≠gang durchge¬≠f√ľhrt werden.[98]

Inte­gra­tionspoli­tik

Nach¬≠dem der t√ľrkische Min¬≠is¬≠ter¬≠pr√§si¬≠dent Erdońüan bei einem Deutsch¬≠land-Besuch im Feb¬≠ruar 2008 die T√ľrken in Deutsch¬≠land vor einer Assim¬≠i¬≠la¬≠tion gewarnt hatte, kri¬≠tisierte sie dessen ‚Äč‚ÄěIntegrationsverst√§ndnis‚Äú.[99]

2010 erk¬≠l√§rte sie auf dem Deutsch¬≠land¬≠tag der Jungen Union den ‚Äč‚ÄěAnsatz f√ľr Mul¬≠ti¬≠kulti‚Äú f√ľr gescheit¬≠ert. Man m√ľsse Migranten nicht nur f√∂rdern, son¬≠dern auch fordern.[100]

2013 sprach sie sich gegen die dop¬≠pelte Staats¬≠b√ľrg¬≠er¬≠schaft und gegen die Tren¬≠nung von mus¬≠lim¬≠is¬≠chen Jungen und M√§d¬≠chen im Sportun¬≠ter¬≠richt aus. Let¬≠zteres sei das ‚Äč‚Äěv√∂llig falsche inte¬≠gra¬≠tionspoli¬≠tis¬≠che Signal‚Äú und das Gegen¬≠teil von Integration.[101][102] 2017 vertei¬≠digte Merkel die dop¬≠pelte Staatsb√ľrgerschaft[103] auch gegen den Parteitags-Beschluss der CDU.[104]

In ihrer Parteitagsrede vom 6. Dezem¬≠ber 2016 bef√ľr¬≠wortete Merkel ein geset¬≠zliches Vollverschleierungsverbot.[105]

[…]